Fremdartiges

Die Tanne in dem Birkenwald
die war schon viele Jahre alt
und die Birken, all die schönen
konnten Sie nur Recht verpönen
“So stachelig, so arg zerfranst
so eklig stielig unschön - Ganz
und gar nicht rundlich in der Form
Und obendrein noch ganz enorm
arg Dunkelgrün - so gar nicht Lieblich…”
Dabei stand sie doch an sich friedlich
in einem kleinen Birkenwald
und war schon viele Jahre alt.

Ein langer Stamm und helle Borke
das war der Chick an diesem Orte.
Ganz filigran zum Himmel ranken
das Licht ganz friedlich lieblich tanken
- nicht so rabiat gen Himmel stürzen!
Durch Höhe Breite abzukürzen,
befanden Sie gehört sich nicht.
Man bräuche Unten etwas Licht
und Oben helles grünes Blatt,
das Dunkle mit der Zeit zwar ab,
doch wär selbst dann um vieles schöner
als dunkelgrüner Tannentöner.

Sie fanden, dass das Nadelkleid
die Hässlichkeit genaustens zeigt.
Wie konnte man nur an den Fingern
stehen mit solch stachlig Dingern
und ohne Blüten braune Zapfen
produziern die klebrig haften,
an den viel zu graden Ästen
kurzum: sie tät die Sicht verpesten!
Man wünschte sich in manchen Stunden
die Tanne wäre schon verschwunden
und wollte, dass der sonst verhasste
Förster ihr nen Schnitt verpasste.

Die Birken wünschten unter Sich
zu sein doch leider ging das nicht
die Tanne war nicht kleinzukriegen
gar hatte sie frisch ausgetrieben
- was sei eine Beleidigung
so gings in Birkenkreisen um.
Und als der Herbst mit seinen Winden
die grünen Blätter ließ verschwinden
wurden die Birken braun und schlapp
und warfen Ihre Blätter ab.
Die Tanne jedoch- nicht zu fassen
hat ihre Nadeln dran gelassen.

Ein Birkenrat über zig Stunden
hat dann einstimmig befunden
die Tanne sollte jetzt, sofort
die Nadeln schmeißen über Bord.
Auf das in Ihrer Birkengüte
darauf ihr niemehr Ärger blüte.
Sie würden sie in Ihren Massen
wenn sie sich anstrengt - Tann sein lassen
und würden allen ihren Groll
vergessen.  “Ach, wie wundervoll”
dachte die Tanne erst, doch dann
ließ sie ihr Nadelkleidchen an.

Und als im Winter Stammgerippe
standen statt schöner Birkensippe,
da stand die Tann ganz stolz und stumm
als Blickfang in der Öde rum
es ließ ihr Grün in all dem Weißen
als einzig Farbe sich begreifen
- was doch die Birken sehr beschämte,
denn während sie der Winter lähmte
war doch das Grün der Tanne stetig
und unter solchem Licht kaum eklig.
So legte sich im Birkenwald
ne Stimmung nieder, dumpf und kalt.

Die Birken wünschten sich im Stillen
sich endlich wieder Grün zu fühlen
doch keine sprach es lauthals aus
was viele dachten voller Graus:
“Ach wär ich Tanne, Esche, Eiche
- ach wär ich doch nicht nur das Gleiche!
Ach wär ich Kiefer, Ahorn, Linde
ich wünscht mir so - das ich verschwinde!
Ach könnt ich nur die Art verlassen,
sein was ich will, nicht unter Massen
immer die größte Meinung finden,
um mich in diesem Trend zu binden”

Und manche Birke ging dran ein,
ein Leben lang Birke zu sein.
Die andern Birken - nach dem Winter
fühlten im Frühjahr sich gesünder,
grünten frisch und wurden Massen
die allesammt die Tanne hassen.
Das dann gewiss nicht still, allein
- mit allen andern wollt man schrein:
das Tannensein sei Grundverkehrt
wie immer schon die Tann nichts wert
denn unschön ungeformt und dumm
steht sie im Birkenwald herum.

Die arme Tanne denkst du jetzt?
So fehl am Platz drum ungeschätzt?
Dann seh etwas genauer hin
es stecket noch mehr Wahrheit drin
Denn Einsam ist die Tanne zwar
jedoch im Wesen wunderbar
weil stetig sie, das was sie ist,
im Birkengeheul nicht vergisst
weil selbst in deren schwächster Zeit
sie nicht im Strom der Masse treibt.
Denn:
Wenn Kälte in die Herzen friert
Grünt nur, wer sich nicht selbst verliert!

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